Tierschutzhunde und die Adoption

Unsere Erfahrungen mit Adoptionen von Hunden aus dem ausländischen Tierschutz und dessen Ablauf.

Zwei Hunde haben wir bereits adoptiert und es werden sicher noch einige hinzukommen. 
Der Ablauf bei einer Adoption kann durchaus auseinander gehen. Nicht jede Organisation handhabt dies gleich. Alles in allem geht es aber immer darum Vertrauen zu haben. Vertrauen seitens der Organisation, dass es dem vermittelten Tier dort auch wirklich gut geht und Vertrauen seitens der Adoptanten an die Organisation, dass ihr baldiges Familienmitglied sowohl gut versorgt wurde, alle Informationen transparent weitergegeben worden sind und auch das Vertrauen, dass das neue Familienmitglied auch wirklich ankommt! Nicht selten sind Betrüger am Werk, die mit der Liebe zu Tieren einen Haufen Geld verdienen. Die Hunde leben aber in grauenvollen Verhältnissen oder existieren erst gar nicht. 

Was in unseren Augen zu einer seriösen Vermittlung dazu gehört und welche Erfahrungen wir gemacht haben erläutere ich im nachfolgenden.

1. Kontaktaufnahme

Der erste Schritt bevor überhaupt etwas passieren kann ist die Kontaktaufnahme mit der Organisation seiner Wahl. Auf den Internet-, Facebook- oder Instagramseiten der verschiedenen Organisationen findet ihr meistens Informationen und Hinweise zu einer ersten Kontaktaufnahme. Bei Yupy genügte eine E-Mail mit der Bemerkung, dass wir ihn gern adoptieren wollen würden. Darauf hin folgten Telefonate.
Bei Shakeera gab es direkt einen Interessentenbogen zum Ausfüllen mit allen möglichen Fragen zum Thema rund um den Hund und uns (weiterführend unser Beitrag Der Hund aus dem Internet). Diesen schickten wir per Mail an die Organisation.

Wenn ihr nichts genaues findet schreibt den Organisationen einfach auf der Plattform auf der ihr sie gefunden habt. Sie werden Euch schon sagen an wen ihr Euch wenden könnt und euch ggf. weiterleiten.

Das System mit Interessentenbögen finde ich persönlich sehr gut. Solche Bögen sind vorteilhaft für alle! Sowohl man selbst kann sich noch eimal Gedanken darüber machen, ob ein Hund zu einem und dem eigenen Leben passt. Dort werden auch Fragen gestellt über die man so vielleicht gar nicht nachgedacht hat. Kann man den Bogen gewissenhaft ausfüllen sollte dem Hundetraum nichts im Wege stehen. Flunkern solltet ihr jedoch nicht. Weder Euch, noch der Organisation und erst recht dem Hund bringt es nichts, wenn ihr Eure Lebenssituation übertrieben besser darstellt als sie ist. Seid ehrlich zu der Organisation und auch zu Euch selbst. Durch diese Bögen erlangen die Tierschützer einen ersten Eindruck von Euch und können abschätzen wie ernst ihr es mit dem Tier meint und wie durchdacht Eure Pläne sind. Sie sind nicht da um Euch zu ärgern.

Wir waren super nervös als wir die E-Mail abgeschickt hatten. Die Rückmeldung für beide Hunde kam relativ zügig. Innerhalb einer Woche (bei Shakeera sogar innerhalb von einem Tag) wussten wir schon, ob wir in der „nächsten Runde“ sind und der Traum vom eigenen Hund näher rückt! Traut Euch und schreibt die Organisationen einfach an. Auch bei generellen Fragen solltet ihr Euch nicht scheuen.

2. Frage und Antwort

Fragen hat man immer, besonders wenn ein Hund einzieht und ganz besonders, wenn es der erste ist. Wir hatten einige Fragen und wollten über alles mögliche bescheid wissen, auch wenn Shakeera nicht unser erster Hund war.

Beide Organisationen standen uns bei Fragen Rede und Antwort und halfen uns. Fragt lieber einmal zu viel nach als einmal zu wenig. Dies gilt nicht nur in Bezug auf den generellen Adoptionsverlauf, sondern auch im Hinblick auf den Charakter Eures potentiellen Hundes. Schließlich soll Euer Mensch-Hund-Team auch gut zusammen passen.  

Ebenso ist es normal, wenn die Organisation noch die ein oder anderen Fragen an Euch hat. Man darf nicht vergessen, dass alle Beteiligten nur das Beste für die süßen Fellnasen wollen und sich deshalb auf allen Seiten absichern, dass der Hund sein für immer Zuhause gefunden hat.

Bei Yupy wurden wir einige Tage vor seiner Ausreise noch einmal angeschrieben, weil sich seine Größe verändert hat. Die Organisation hatte Sorge, dass wir ihn nicht mehr haben wollten, weil er bereits seine geschätzt Höhe von 35cm erreicht hatte und doch größer werden sollte als geplant. Natürlich wollten wir ihn trotzdem haben und sind auch heute noch zufrieden mit unserem 45cm großen Puschel.

3. Vorkontrolle

Wenn ihr Euch sicher seid, dass es der ausgewählte Hund sein soll und auch die Organisation erstmal nichts dagegen einzuwenden hat solltet ihr bald besuch bekommen. Vorkontrollen sind bei Adoptionen gang und gebe, auch bei Hunden aus dem deutschen Tierschutz oder bei Tieren aus dem städtischen Tierheim. Dabei lernen die Tierschützer Euch persönlich in Euren eigenen vier Wänden kennen und unterhalten sich etwas mit Euch. So ein Gespräch variiert von der Dauer durchaus sehr. Bei Yupy ging das Gespräch gut zwei Stunden bei Kaffee und Kuchen, bei Shakeera waren es keine 30 Minuten bei einem kleinen Glas Wasser. Neben den Vorkontrollen kann eine Nachkontrolle durchaus auch möglich sein. Dort wird einige Wochen nach Einzug des neuen Familienmitglieds erneut ein Hausbesuch gemacht und geschaut, wie sich der Schützling in seiner neuen Umgebung eingewöhnt hat und wie der Umgang mit dem Tier ist.

Bei Yupy gab es aus zeitlichen Gründen keine Vorkontrolle, sondern lediglich eine Nachkontrolle. Da der Flug gebucht und auch ein Flugpate gefunden worden ist kam er ohne vorherigem persönlichen Gespräch in unsere Familie (auch das verlangt viel Vertrauen in die Adoptanten seitens der Organisation).

Shakeeras Einzug ging eine Vorkontrolle voraus. Wir richteten alles her und stellten Kekse, Kaffe und Wasser bereit. Die Wohnung strahlte aus dem letzten Loch. Wir wollten natürlich den Besten Eindruck hinterlassen den es gab. Als die beiden Frauen vom Tierschutz bei uns ankamen setzen wir uns gemeinsam ins Wohnzimmer. Die beiden zeigten uns Bilder von Shakeera und hatten auch unseren Bogen ausgedruckt dabei. Wir unterhielten uns über die Art der Anreise von Shakeera und über mögliche Krankheiten und Probleme am Anfang. Auch über die doppelte Leinensicherung wurden wir unterrichtet und auch der Kauf eines Sicherheitsgeschirrs wurde uns nahe gelegt. 
Das Gespräch war sehr wertschätzend und informativ. Die beiden Damen gaben uns noch einige Informationsblätter und sagten uns bereits beim Gehen, dass sie der Organisation eine positive Rückmeldung geben werden. Der Tag der Ankunft stand schon grob fest und alle freuten sich über den Ausgang des Gesprächs.

Habt keine Angst vor einer Vorkontrolle! Bei uns hat noch keiner jeden Winkel des Hauses beguckt oder uns gelöchert welches Spielzeug wir gedenken zu kaufen. Bei Yupys Kontrolle waren wir natürlich komplett ausgestattet, denn er lebte ja auch schon einige Wochen bei uns. Für Shakeera hatten wir noch gar nichts eingekauft und dementsprechend leer war auch unsere Wohnung bei der Vorkontrolle in Sachen Hundebedarf. Erst nach der Kontrolle fuhren wir (sofort) an einem Samstag Abend, weil ich einfach zu ungeduldig bin, in den nächsten Tierbedarfsladen und deckten uns mit einem Körbchen, Spielzeug und ersten Leckerchen ein. Ihr seht, auch ohne absolutem Hundehaushalt bekommt ihr die Chance auf einen Hund!

4. Der große Tag

Wenn der Hund einzieht ist das eines der schönsten Gefühle! Ein süßes Fellnäschen bekommt ein wundervolles Zuhause und stellt Euer Leben von Grund auf auf den Kopf!

Bei Shakeeras Anreise mit dem Trapo gab es einen extra Chat mit allen Adoptanten in dem regelmäßig Informationen zu dem Verlauf der Fahrt gegeben wurden. Auch die ungefähre Ankunftszeit wurde aktualisiert und an uns alle weitergegeben. 

Je nachdem auf welche Weise ihr Euren Hund erhaltet, versucht vorher zu schlafen! Ich habe ganze zwei Tage durchgemacht, weil ich so aufgeregt war und habe dann wirklich Probleme gehabt. Am Anfang wird Euch Eure Fellnase sehr wahrscheinlich ordentlich auf Trapp halten. Bei uns war es so, dass beide Hunde am ersten Tag alles entdecken mussten und ihre Nase überall drin hatten. Wenn die Hunde dann irgendwann mal zur Ruhe kommen solltet ihr sie schlafen lassen und die Zeit auch nutzen um euch auszuruhen. Zu Beginn kennen sie den Ablauf von „abends gehen wir alle ins Bett und schlafen bis morgens“ nicht. Shakeera hat ihre erste Nacht doch recht vorbildlich gemeistert, jedoch hat sie uns auch um Punkt 7 Uhr aus dem Bett geworfen.

Der Einzug Eurer Fellnase kann für sie unter umständen sehr stressig gewesen sein. Yupy kam mit dem Flieger und war bei seiner Ankunft noch ordentlich benommen durch die Beruhigungstabletten. Shakeera hatte eine Transporterfahrt von etwa 2.000 Km hinter sich. Während der Fahrt ging dieser auch noch kaputt, was die Ankunft noch herauszögerte. Plant den ersten Tag also nichts ausserordentlich besonderes mit dem Hund. Letzen Endes solltet ihr in der Situation abschätzen wie Euer Hund die Anreise verkraftet hat, aber etwas ruhe, zumindest am ersten Tag, sollte keinem schaden.

5. Die Zeit danach

Ihr werdet eine Weile brauchen bis sich Euer Alltag mit Hund eingegroovet hat. Das kommt aber auf jeden Fall, also keine Panik, wenn am Anfang alles anders läuft als von Euch geplant und erhofft. Gebt Euch und dem Hund Zeit sich aneinander zu gewöhnen. Bei Yupy ging es sehr schnell. Das kleine Welpenplüsch hat sofort einen Narren in uns gefressen. Shakeera hingegen war mit ihren zarten ein Jahren sehr vorsichtig und hat erst nach gut einem Jahr eine Bindung aufgebaut, von der ich sagen kann, dass wir darauf aufbauen können. Lasst Euch nicht entmutigen!

Für alle Fragen und Probleme solltet ihr Euch an die Tierschützer der Organisation wenden. Vielleicht haben sie den ein oder anderen Tipp oder können bei den Pflegestellen anfragen, welche Geheimtipps sie für Euch auf Lager haben. Sollte gar nichts mehr gehen versucht es mit der Hundeschule oder einem Hundetrainer. Belest Euch in Sachen Hundeerziehung und Hunde im Allgemeinen und versucht das Verhalten zu verstehen. 

Yupys Organisation hat sich im Nachhinein wenig bis gar nicht über ihn informiert. Shakeeras Organisation hat eine Facebookgruppe eröffnet in der alle Adoptanten eingeladen werden. Dort können alle nach belieben Bilder ihrer Hunde und Katzen posten. So sieht sowohl die Organisation wie es den Tieren geht und auch die Tierschützer aus den Pflegestellen sehen ihre Schützlinge wieder. Natürlich muss nicht jeder was posten, aber ich habe dadurch das Gefühl mit der Organisation verbunden zu sein. Dieses Zugehörigkeitsgefühl hat uns wahrscheinlich auch dazu getrieben zwei Patenschaften für Hunde in Bulgarien zu übernehmen.

Wir finden es wichtig auch nach der Adoption noch Kontakt zu der Organisation zu halten und diese ggf. durch Spenden oder bereits durch das Teilen von Beiträgen zu unterstützen. Denn sie sind immerhin die Menschen, die es möglich gemacht haben, dass unsere Fellnasen bei uns gelandet sind!

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