Durch Instagram zur Rabenmutter?!

Die Community rund um den Hund auf Instagram ist riesig. Wir haben schon viele Accounts „kennengelernt“ und sogar eine Freundschaft schließen können (& ja, wir reden hier von einer offline Freundschaft! Verrückt oder?).
Nicht nur natürliche Personen und ihre Vierbeiner sind dort vertreten, sondern selbstverständlich auch super viele Unternehmen. Die Landschaft der Kooperationen scheint endlos, man muss eigentlich nur noch zugreifen. Produkte werden vorgestellt, das scheinbar unfassbar tolle Leben der Hund-Mensch-Teams präsentiert und gut in Szene gesetzt.

Pah, first world Problems – werden sich jetzt wahrscheinlich einige denken. So ziemlich jeder zeigt sich auf sämtlichen Social Media Kanälen von seiner/ihrer besten Seite. Wer möchte schon gerne zeigen, dass etwas im eigenen Leben nicht so gut läuft? Gerade im Bereich der Hundewelt auf Instagram zweifle ich jedoch momentan an meinen Kompetenzen. Täglich werde ich durch #Werbung, #Kooperation und sonst was für Hashtags überflutet. Orthopädische Hundebetten, Probleme mit Hunden, die nicht alleine bleiben können, weil es „in den letzten Jahren nicht nötig gewesen ist“, Diskussionen übers Barfen, Menschen die scheinbar den ganzen Tag mit ihrem Hund durch die schönsten Wälder spazieren… Diese Liste könnte ich noch ewig weiter führen.. 
Möglicherweise kommt jetzt die Frage auf, was mein ganzes Geschwafel hier mit dem Titel dieses Beitrags zu tun hat. Warum ich manchmal das Gefühl habe eine absolut schreckliche Hundemama zu sein erfahrt ihr jetzt!

Mein Hund ist häufiger mal alleine zuhause

Was? Prinzessin Shakeera bleibt alleine? Jup – und das sogar mehr als gut und ohne gravierende Schäden. Wie bereits erwähnt lese ich in letzter Zeit oft, dass Menschen Probleme damit haben ihre Hunde alleine zu lassen, weil sie sonst die ganze Wohnung zerlegen würden und nur weinen. Nunja.. Dieses Problem haben wir tatsächlich gar nicht. Natürlich weint sie auch mal, aber in der Regel ist das alleine Bleiben absolut kein Problem. Doch kommen wir mal back to Topic.
Ständig sehe ich in den Storys und Beiträgen die ganzen tollen Mensch-Hund-Teams, die quasi 24 Stunden zusammen sind. Versteht mich nicht falsch.. Ich finde es toll, wenn Hunde nicht alleine bleiben müssen und die Menschen den ganzen Tag bei ihrem Liebling sein können oder aber den Hund an einen Hundesitter oder aber eine Hundetagesstätte bringen. Alles legitim. Ich war in Shakeeras ersten 1 1/2 Jahren quasi auch ständig für sie da, aber dennoch lässt diese 24 Stunden Hundebespaßung bei mir Zweifel aufkommen.
Shakeera kann nicht (immer) mit ins Büro. In die Kita kann ich meine Fellnase auch nicht schleppen. Hundetagesstätte kommt auf Grund der Masse an Hunden und Shakeeras Temperament nicht in Frage. Jemand privaten habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.. Denn so „egoistisch“ es auch ist, ich vertraue meinen Hund definitiv nicht jedem an. Für mich ist die bessere Alternative dann eben alleine Bleiben als sie irgendwohin abzugeben damit sie ständig jemanden bei sich hat.
Lange Rede gar kein Sinn – es kommt also durchaus vor, dass sie eben für einige Stunden alleine bleiben muss und das 4 Tage die Woche. Sind die anderen einfach nur besser organisiert, ist ein Hund bei zwei berufstätigen vielleicht doch die schlechteste Idee gewesen oder ist es einfach absoluter Schwachsinn sich über sowas Gedanken zu machen? Who knows.. richtig ich, zumindest was meine Einstellung dazu angeht! Für mich ist es recht einfach. Ein Hund muss auch mal alleine bleiben können. Manchmal tut sie mir natürlich leid, aber im Prinzip ist die Zeit des alleine Bleibens noch im Rahmen des erträglichen. Unser Vorteil ist, dass Stephan durch seine Gleitzeit so anfangen kann zu arbeiten, dass es zu meinen vorgegebenen Arbeitszeiten passt. Wenn ich jetzt noch bedenke, dass sie den ganzen Tag schläft, unabhängig davon ob wir jetzt in der Bude rumspringen oder nicht, bin ich mit unserer Lösung zufrieden. Es ist nicht das Nonplusultra, aber es funktioniert und wir haben uns damit arrangiert.

Es gibt nicht jeden Tag eine riesen Runde in den schönsten Wäldern Deutschlands

Jetzt kommt wohl das erschreckendste Bekenntnis für alle, deren Ansprüche durch Instagram bestimmt werden.. Shakeera läuft nicht jeden Tag mit einem von uns 20 Kilometer durch Wiesen, Felder, vorbei an Bächen und Seen, sondern muss sich manchmal auch mit einer Gassirunde auf dem Großstadt-Beton zufrieden geben. Schaue ich mich auf Instagram um könnte schnell der Eindruck entstehen, dass alle Hund-Mensch-Teams in der tiefsten Natur leben und drei mal am Tag die unfassbar schönsten Spaziergänge mit allerlei Abenteuern erleben. Wer möchte schon zugeben, dass er/sie heute einfach keine Lust hat draußen rum zu rennen und den Hund zwei Stunden im Park zu bespaßen?
Wann immer es geht versuchen wir mit Shakeera neue Dinge und Orte zu entdecken, aber die Realität ist eben stärker als jeder Wunsch. Besonders vor und nach der Arbeit ist die Motivation eher weniger groß in sämtliche Parks und Wälder zu fahren. Mittagsrunden sind bei uns eher Nachmittagsrunden und auch diese sind nicht immer die abenteuerlichsten. Ab und an gehts „nur“ eine größere Runde um den Block bei der wir auch einfach wieder froh sind, wenn wir wieder zuhause sind. Schande über uns, aber so ist das Leben. Aber wie bereits angedeutet.. Dank Instagram kommt mir selbst die 30 minütige Gassirunde um den Block vor, als wenn ich Shakeera mal eben nur auf den Grünstreifen vor der Tür gesetzt habe. Danke dafür liebe Instagramcommunity. 

Kissen & Decken anstatt orthopädischer Hundebetten

Fragt mich nicht wie groß die Palette an Hundebetten mittlerweile ist. Eins soll besser als das andere sein und jeder dritte Petfluencer präsentiert ein anderes Modell, welches einfach „das Beste ist“. Achtung jetzt kommt der Rabenmutter-Style: Shakeera besitzt genau ein richtiges Hundebett und das ist jetzt nicht ausgepolstert bis zum geht nicht mehr und hat tausend „Vorteile“ gegenüber anderen Hundebetten. Fürs Wohnzimmer hat Shakeera lediglich zwei riesige Kissen aus dem wohl schönsten schwedischen Möbelhaus, welche umhüllt sind mit einer Kuscheldecke. Das kann doch überhaupt nicht HUNDEFREUNDLICH sein! Spoiler – Shakeera pennt noch nicht mal mehr darauf seitdem wir einen Ohrensessel haben. Der war ursprünglich für mich gedacht, aber mittlerweile muss ich mich mit Shakeera darum streiten. 

Shakeera betreibt keinen Hundesport

Canicross, Agility, Mantrailing.. Es gibt soooo viele Sportarten die ich durch Instagram kennengelernt habe. Jetzt wieder der Bogen zur Rabenmutter – Shakeera macht nichts davon. Ambitionen sind sicherlich da, aber ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Wir schaffen es manchmal nicht mal mehr nach der Arbeit zu kochen, weil wir so kaputt sind. Ja, wir sind faul. Und müde. Und könnten sicherlich mehr machen als wir tun.. Aber sorry not sorry – unsere Zeit mit Shakeera nutzen wir am liebsten auf unsere Weise. Spontanes Agility über Baumstämme und Co., sporadisches Mantrailing im Sinne von Verstecken spielen und gemütliches Fahrrad oder Inlinerfahren mit normalem Geschirr und „bei Fuß“ bei jedem Aufenthalt in Holland. Tatsächlich habe ich schon die ein oder anderen Hundeschulen recherchiert, die so tollen Hundesport anbieten, aber am Ende überwältigt mich die Gewissheit, dass das was wir bis her so getan haben und tun Shakeera auch Spaß macht und sie gut auslastet. 
Unsere alte Schlabberbacke soll einfach das tun auf das sie Lust hat (Achtung, Vermenschlichung und absolute Katastrophe für alle Hundetrainer*innen und Kontrolletis) – alles in Maßen natürlich, aber ich lege mich was Hundesport angeht nicht fest und versuche einen eigenen Weg zu finden. Ich lese mich zur Zeit in viele Themen ein und versuche  das richtige für uns alle zu finden. Dies bedeutet durchaus auch, dass wir super viele Mischformen von allem möglichen probieren und absolut nichts so läuft wie es „laufen soll“, aber hey. So sind wir eben! Regeln sind schön und gut, aber wir fahren eher die schiene Pipi Langstrumpf – wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.

Hundeschule und Spielgruppen sind bei uns Mangelware

Eine weitere Flut auf Instagram sind Playdates. Viele Posten täglich, dass sie sich mit gefühlt 100 Hunden am Tag treffen. Wir haben uns auch längere Zeit mit ein und den selben Mensch-Hund-Teams getroffen. Tag für Tag. Um die gleiche Uhrzeit. Für circa 2 Stunden. An der selben Stelle im Park. Zu beginn hatte Shakeera viel Freude daran, aber „schon“ nach einigen Monaten zeichnete sich ab, dass diese Meute (ja, ich rede bewusst nicht von einem Rudel, weil es das definitiv nicht war/ist!) einfach nichts mehr für sie ist. Sie spielte kaum mehr mit den anderen und langweilte sich sichtlich. Warum?  Naja hättet ihr Lust 2 Stunden lang an der gleichen Stelle zu stehen, jeden Tag die gleichen Gerüche vom Boden und den immerzu gleichen Hunden aufzunehmen und sich im Prinzip nie aus diesem kleinen Kosmos raus zubewegen? Nö. Wir freuen uns jetzt viel mehr darüber, wenn Shakeera ständig neue Hunde kennenlernt und immer wechselnde Spielpartner hat. 
Zum Thema Hundeschule. Das hat zwar weniger mit Instagram zu tun, aber angesichts der vielen „Hundeschulaccounts“ ist es für mich doch relevant und präsent. So oft wurden wir gefragt, ob wir mit Shakeera zur Hundeschule gehen bzw. das wir, auf Grund ihrer Affinität zum Jagen, gehen sollten. Gegenüber einer „Offline“ Hundeschule war ich tatsächlich von Beginn an abgeneigt. Ich habe leider zu viele schlechte Erfahrungen sammeln müssen. Darum sollte es, wenn überhaupt online vonstattengehen. Wir haben uns durch viele Accounts geklickt und uns inspirieren lassen. Zunächst habe ich versucht alles unreflektiert umzusetzen, weil Instagram hat ja demonstriert, dass es so einfach klappt! Naja, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Shakeeras Erziehung wollte nicht klappen. Was mir aber immer deutlicher wurde, Shakeera hatte eigentlich gar keine Probleme die für mich gravierend waren. Andere fanden Dinge schwierig und ich habe mich beeinflussen lassen. Ein großer Fehler, den ich aber schnell bemerkt habe. Seither geht es in Sachen Erziehung so weiter wie in allen möglichen anderen Aspekten – auf unsere Weise und individuell auf unseren Hund abgestimmt!

Shakeera ist kein Trickdog

Zum Thema Hundeschule passt generell der Aspekt der Tricks. Was manche Hunde so auf Instagram zeigen können ist beachtlich. Pfötchen, Platz, Winken, Sitzen, Schämen, Rollen, Springen und und und.. Durch die vielen Tricks kommen natürlich auch wunderschöne Fotos zustande. Shakeera kann das alles nicht. Sitz, Platz, Bleiben. Das kann Shakeera zuverlässlich auf Abruf. Wichtig für mich, wenn sie keinen Bock hat, dann hat sie keinen Bock. Ich arbeite dann einfach gerne mit dem was sie mir anbietet. Vielleicht liegt es auch daran, dass unser Account nicht voll ist mit absoluten Profi Bildern bei denen alles sitzt. Aber hey, so ist das Leben. 
Für uns sind Kommandos wie „Komm“ und „Stopp“ viel wichtiger. Nicht, dass die anderen Hunde das nicht können.. wobei – genau sagen kann ich das nicht, weil sowas wird eher selten auf Instagram gezeigt. Ständig werden Stimmen laut, dass Hunde Tricks lernen müssen und sie super viel Spaß daran haben. Tja, ich habe wohl den einzigen Hund auf der Welt erwischt, bei dem es nicht so ist. Shakeera hat in den seltensten Fällen Lust auf Tricks. Diese zu Lernen besteht aus einem Kampf und sorgt dann auch dafür, dass wir beide keinen Bock mehr haben und aufgeben.. Aber das ist eben die Realität und diese müssen wir nicht beschönigen.

Fazit

Instagram ist wirklich toll. Ich verbringe viel und gerne Zeit dort und schaue mir super gerne die vielen Abenteuer der Hund-Mensch-Teams und die einzelnen Fellnasen dort an. Für mich ist es tatsächlich ein kleiner Prozess die ganzen tollen und leider oft verfälschten Momentaufnahmen nicht zu ernst zu nehmen und mich nicht beeinflussen zu lassen. Auch ich habe mich schon oft von der „schönen“ Welt auf Instagram blenden lassen und wollte gerne mithalten. Aber come on. Wie unrealistisch ist das bitte, dass alles super läuft?

Und ja, auch ich kann mich nicht davon frei sprechen zu einem Influencer-Werbeopfer geworden zu sein. Die ein oder anderen Dinge habe ich mir auch schon nachgekauft und auch wir stehen mit den ein oder anderen Firmen in einem engeren Kontakt. Trotzdem ist es einfach das A und O die Dinge auf sämtlichen Social Media Plattformen reflektiert zu betrachten und nicht davon auszugehen, dass das was dort gezeigt wird der tägliche Alltag ist. Das Leben ist kompliziert, manchmal ärgerlich und durchaus auch mal unschön. Das gilt genau so für die ganzen Instagramprofile die vermeintlich das Gegenteil suggerieren. Wir sind alle nur Menschen und unsere Vierbeiner sind auch immer noch einfach nur Lebewesen, die auch mal einen blöden Tag haben. Lasst euch davon nicht unterkriegen und zeigt auch gerade solche Momente in der ach so schönen Instagramblase, denn nur so kann dieser Bann gebrochen werden. Wir stehen voll dahinter und verbleiben mit dem Fazit: ich bin keine Rabenmutter, auch wenn Instagram mir manchmal das Gefühl gibt. Wir stehen zu dem was wir machen und was wir sind und appellieren an alle – #fürmehrrealitätaufinstagram

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